Bitkom Umfrageergebnis mit manipulativer Aussagekraft?

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Irisscan für Zahlungen

Ein Kommentar von Gerd Bruckner

Es kommt sehr wohl auf die Fragestellung an

Wie der Digitalverband Bitkom mit der Veröffentlichung einer repräsentativen Umfrage der Öffentlichkeit am 25.2.19 mitteilt, würde fast jeder zweite deutsche Bürger per Iris-Scan seine Zahlungen bestätigen. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden biometrischen Identitätskontrollen würden Sie persönlich zukünftig verwenden wollen, um bargeldlose Bezahlvorgänge abzusichern?“

Ein Ergebnis, das suggeriert, dass jeder zweite Bürger in Deutschland bereits mit dem Scan seiner Augäpfel einverstanden ist, was so aber wohl kaum haltbar sein dürfte. Bei der gestellten Frage kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Äpfel mit Birnen einen Osterkorb abbilden und ein gesundes Müsli daraus entsteht. Schön für die Hersteller und Datensammler. Weniger schön für die Bürger, wenn nicht mehr nur Daten, sondern nun auch die letzte Bastion privater Eigenheit an Andere abzugeben sind.

Denn irgendwo muss ja der Irisscan und/oder die Stimme aufbewahrt werden. Wer diese Daten besitzt, regiert die Welt oder macht sie sich untertan. So wird behauptet, dass 9 von 10 Bundesbürgern bargeldlose Bezahlungen mit Fingerabdruck autorisieren würden und überhaupt nur 5 Prozent keine biometrischen Kontrollen nutzen wollen.

So wird Geschiche geschrieben oder zumindest so getan, dass das digitale Zeitalter nur Gutes bringen wird. Die Menschen sind bereits weichgekocht und die Politik hat sich daran zu orientieren.

Wer an der Kasse nicht mit Bargeld bezahlt, muss seine Zahlung häufig bestätigen – per PIN oder Unterschrift. Doch viele Bundesbürger sind zunehmend offen dafür, bargeldlose Zahlungen mit biometrischen Daten abzusichern, so Bitkom. Fast neun von zehn Bundesbürgern (86 Prozent) würden, so zeige deren Umfrage, zur Autorisierung beim Bezahlen den Fingerabdruck nutzen – im Vorjahr waren es erst 80 Prozent. Das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1.000 Personen in Deutschland. Danach würde fast jeder Zweite (45 Prozent) seine Iris scannen lassen, um Bezahlvorgänge zu autorisieren. Im Jahr 2018 sagten dies erst vier von zehn (38 Prozent). „Biometrische Verfahren werden sich auch beim Bezahlen etablieren“, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. „Mit dem Fingerabdruck das Smartphone zu entsperren, ist heute schon gelebte Praxis.“

Per Gesichtserkennung würden 3 von 10 ihre Zahlungen absichern. So kann sich ein Drittel (32 Prozent) vorstellen, das eigene Stimmenprofil als Absicherung zu nutzen. Drei von zehn (28 Prozent) würden Zahlungen per Gesichtserkennung absichern. Noch keinen Zuspruch findet die Vorstellung, Zahlungen über die eigene Herzschlagrate zu autorisieren. Nur 5 Prozent der Befragten würden keine solcher Maßnahmen nutzen wollen. „Biometrische Verfahren sind für Nutzer bequem und sicher. Im Gegensatz zu Passwörtern gehen einzigartige körperliche Merkmale nicht verloren oder werden vergessen“, so Dehmel.

Unter Biometrie versteht man Methoden, mit denen individuelle Merkmale von Menschen genutzt werden. Die Ergebnisse werden in einen Datensatz umgewandelt und digital gespeichert. Um eine Identität zu prüfen, können die umgewandelten biometrischen Werte einer Person mit den vorhandenen Datensätzen verglichen werden, so Bitkom.

Genau da liegt der Haken. Kaum hat die EU als erste ernsthafte Stelle mit der DSGVO dafür gesorgt, dass so wenig wie möglich Daten überhaupt gesammelt werden sollen, da kommt schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben und zeigt den langen Mittelfinger.

Wie heißt es so schön: Das Internet vergisst nichts. Da mag der Löschversuch noch so vehement unternommen werden. Ein unnötiges Bild, ein gehacktes Passwort. Nun gut. Nicht schön, aber was ist schon sicher im Leben. Passwort ändern und herausfinden, wo es noch verwendet wurde. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wer allerdings seine Stimme abgibt, seine Pupillen scannen lässt, gibt einzigartige, exklusive Daten an Dritte ab. Diese können nicht geändert werden, sie sind unverwechselbar. Im Zeitalter der digitalen Sammelwut ist hier und jetzt dieses Planspiel mit einem klaren NEIN zu versehen. Denn wer heute Passwörter knackt, knackt in Zukunft auch eine Voice- Iris oder X-Datenbank.

Dieser geplane Coup der Digitalindustrie ist nicht nur abzulehnen, er darf gar nicht erst starten. Wer seinen Fingerabdruck heute der Privatwirtschaft aushändigt, sollte einmal darüber nachdenken, ob das sinnvoll und für alle Zeiten sicher ist. Meine Meinung.

Hinweis zur Methodik der Bitkomumfrage: Grundlage der Angaben war eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.005 Bundesbürger ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Umfrage ist, so Bitkom,  repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden biometrischen Identitätskontrollen würden Sie persönlich zukünftig verwenden wollen, um bargeldlose Bezahlvorgänge abzusichern?“

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