Kommentar + Kolumne - German News Deutschland Nachrichten abseits des mainstream - Results from #36 German News Magazin

Kommentar + Kolumnen

Kommentar und Kolumnen der Redaktion zu Politik, Gesellschaft und Zeitgeschehen

Reich beschenkt und arm im Geiste Juche, Hurra, das Christkind war da. Und einen Haufen Geld haben wir auch wieder in die Luft geschossen. Nun können wir in der Pose reich beschenkter Selbstzufriedenheit verharren und uns durch das neue Jahr appen. Manch ein Präsent wird traditionell erst Mitte Juni gefunden, man kann sich, bitte schön, nicht alles merken, bei diesem Wust an Päckchen, Herrschaftszeiten!, weil man als braves Kind halt so viel bekommt. Wobei so altmodische Begriffe wie "brav" freilich ausgetauscht worden sind durch: "Oberschicht".
Leser, hör die Signale 27. Oktober: Die Grünen wollen dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden Asyl in Deutschland gewähren. Der Grund ist das abgehörte Telefon von Angela Merkel. Der Gipfel des NSA-Skandals ist nicht das abgehörte Muttifon, sondern dieser Asylantrag seitens der Grünen, überhaupt das Rumoren innerhalb der politischen Meute. Seehofer ernennt den Datenschutz „sauer“ zu „einer dringlichen Aufgabe der Koalition“ und folgert genial, dass, wer eine Kanzlerin abhöre, auch die Bundeswehr, die Wirtschaft und (jetzt kommt's!) Privatleute abhöre.
Der selbe alte Käse und Nachrichten aus der Zukunft So. Das war's also mit der Wahl. Was kann man noch drüber sagen? Fast 50 Prozent für Horst Seehofer und seine Superministerin Ilse Aigner-Wortwand und – trotz aller anti-bayerischen Häme über die vermeintlichen Königstreuen im Süden – 42 Prozent für die Union, oder besser gesagt: für Merkel. Aber haben wir das nicht eh alles erwartet? Die siegreiche Union, die geprügelte FDP, die zerbröselten Grünen, die mühsame und mühevolle SPD. Nur die AfD spielte die Rolle der großen Unbekannten und hat mit ihrem Beinahe-Einzug in den Bundestag erst einmal den gemeinen Deutschen kräftig erschreckt.
König der Werbepausen und Couchkartoffeln Edmund Stoiber!, meinedamenmeineherren, Edmund Rüdiger Stoiber! Wir kennen ihn noch aus erfolgreichen Filmen wie dem Speed-Streifen „In zehn Minuten“, der heiteren Familienkomödie „Muschi“ oder der tragischen Romanze „Die godernde Lut“. Er hat seine Zuschauer begeistert. Millionen von Anhängern hat er charmant, weltoffen, schmunzelnd für sich eingenommen. Auch seine strengen Seiten, die väterliche Sorge, den unbayerischen Fleiß, liebte der Zuschauer auch am siebten Tage. Die Hütte brannte – entschuldigen Sie bitte diesen legeren Ton, aber es lesen auch Jugendliche mit, weil diese seit neuestem extrem an Politik interessiert sind – die Hütte brannte, allein wenn Edmund Stoiber! einmal keck den Aktendeckel aufschlug.
Der Circus ist in der Stadt! Staunen sie schweigend mit! Erstaunliches geht vor im Land der Dichter und Denker. Da läuft ein Wahlkampf für die Bundestagswahl im September. Und niemanden scheint es einen Monat davor zu interessieren. Obwohl wir entscheiden sollen, wer uns weiterhin regiert – na ja: „regiert“. Wir sollen entscheiden, wer weiterhin entscheiden soll, was für uns das Beste ist. Und das, so scheint es, wollen die meisten in einer gemütlichen Wurschtigkeit wieder dem Mutti-Haushalt überlassen. Trotzdem zum Beispiel inzwischen jeder wissen dürfte, wie hausgemacht und weitergekocht die Europakrise ist. Und trotzdem die Amerikaner ihre NSA-Rüssel in Sachen stecken, die sie nichts angehen und Merkel samt ihrem Streichelzoo sich dieser Dreistigkeit gegenüber verhält, als täten uns die Spione damit einen Gefallen.
Keine Lust – aber dafür Null Bock Die Lustfeindlichkeit ist auf dem Vormarsch. Nein, stimmt nicht. Die Lustfeindlichkeit schwenkt längst ihr Rohrstockzepter über diese Gesellschaft. „Ich hab Lust auf ...“, ist fast vollkommen aus unserem Sprachgebrauch verschwunden. Lust wird mit Sex gleichgesetzt. „Ich hab keine Lust“, sagt man dagegen oft. Keine Lust auf einen spontanen Ausflug, auf Spaß allgemein, auf ein bisschen Nachdenken, auf Liebe. Und es gibt genug Menschen, die keine Lust auf die Lust mehr haben und sich trotzdem hinlegen und den anderen über sich ergehen lassen. Einfach, weil die Unlust auf Sex gleichgestellt mit Versagen, Erfolglosigkeit ist. Es geht nur um Sex. Liebe, Verlangen und Zufriedenheit sind unnötig und machen nur Ärger in dem großen Plan uns zu kleinen, folgsamen Lemmingen zu erziehen.
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