Amoklauf - Anschlag - Attentat und Terror: Der Wirrwarr von Begrifflichkeiten - German News Deutschland Nachrichten abseits des mainstream German News Magazin

Amoklauf - Anschlag - Attentat und Terror: Der Wirrwarr von Begrifflichkeiten

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Jeder kann es schaffen - nur nicht Alle: Ursachen und Wirkung bei Anschlag und Amoklauf

Nach Frankreich sind nun in Deutschland vermehrt Meldungen zu Amoklauf, Anschlag, Attentat zu registrieren, die zu schnellen Reflexen in den Medien, der Politik und in der Bevölkerung führen. Die Ursachen sind so vielfältig, wie die Gesellschaft in ihrer Struktur bunt und vielfältig ist. Dabei kommt es in den Medien und dann auch in der Diskussion in der Gesellschaft zur Verwendung von unterschiedlichen Begriffen, die eine fragwürdige Zusammenfassung erzielen. Gerne wird von Terror oder Terrorakt gesprochen. Ein Allgemeinbegriff, der laut UN-Sicherheitsrat eine terroristische Handlung meint, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht gegenüber Menschen und der Bevölkerung mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, die Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zum Tun oder Unterlassen von Entscheidungen zu nötigen.

Als Beispiel sind die Anschläge des IS zu nennen, die genau diese Definition abdecken. Terror um des Terror willen. Egomanie, die eigene subjektive Wahrnehmung anderen aufzuerlegen. Nach dem Motto "wer nicht für mich ist, ist gegen mich und somit mein Feind". Ein Anschlag, Terroranschlag und Terrorakt ist ein gewalttätiger, auf Vernichtung und Zerstörung zielender Angriff auf eine Institution unter Einbeziehung von unschuldigen Menschen. Im Rechtswesen nennt man das Mord, kann aber unter Umständen auch als fahrlässige Tötung geahndet werden, wenn argumentiert wird, dass man die Tötung nicht geplant, aber fahrlässig hingenommen hat.

Ein Amok ist hingegen kein Terroranschlag oder -akt, da dieser grundsätzlich nicht geplant ist sondern plötzlich und ungeplant als Gewaltausbruch gegenüber anderen erfolgt. Der Amoklauf hingegen kann ein geplanter Amok sein, der den Gewaltausbruch gezielt als Mittel zum Zweck (töten, erniedrigen, verletzen) ansieht. Aus einem Amok kann durch äußere Einflüsse somit ein Amoklauf werden, der zu Beginn nicht geplant, aber in der Folge als vermeintlicher Plan durchgeführt wird. Nach dem Motto "jetzt erst recht - ist eh schon egal"

Warum es dazu kommt, hat unterschiedlichste Gründe. So fühlen sich Menschen durch äußere Einflüsse benachteiligt, weil sie gemobbt werden, weil andere sie nicht mögen, mag der Grund noch so lächerlich in den Augen anderer sein. Sie geschlagen werden, weil die Sozialisation in der Familie und im Bekanntenkreis nicht erfolgreich stattfindet. Oder sie in der subjektiven Meinung und vielleicht sogar objektiv zu unrecht bestraft wurden, nur weil das Gesetz, welches in seiner Natur fehlerhaft sein kann, eine Bestrafung vorsieht und der Wille zur Lösung eines Konfliktes auf Paragraphen basiert. Richter und Anwälte sind nur deshalb selten involviert, weil sie für einen Amok während einer Verhandlung durch technische Mittel oder Sicherheitskräfte geschützt sind.

Die betroffenen Menschen werden entweder depressiv und sind oft Suizid gefährdet oder aber sie wollen sich unter Einsatz von vermeintlich probaten Mitteln an ihrer Umgebung rächen. Hier ist es oft nur eine Frage der Zeit und der Beschwernis, ob aus einer Planung auch eine Durchführung entsteht, von der es vermeintlich keinen Rückzug gibt. So kann eine Geiselnahme spontan erfolgen, weil sie aus der Situation heraus entsteht oder sie kann gezielt und geplant erfolgen.

Wenn beispielsweise ein kurz vor dem Bankrott stehender Einzelhändler, Kleinsparer oder Rentner von seiner Bank übervorteilt wird, kann es zu äußerst besorgniserregenden Situationen kommen, die vorher nicht geplant wurden. Es kann der gleiche Mensch allerdings erst nach Hause gehen, sich bewaffnen und dann zurückkehren. In beiden Fällen sind die Ursachen und die Wirkung das Gleiche. Es wird nicht auf die Ursache, also das Problem geschaut, sondern nur eine Lösung gesucht, die keine Lösung für den Betroffenen darstellt. Wer in der Bankenwerbung behauptet "wir kümmern uns um Sie" und dann aber bei realer Inanspruchnahme nicht bereit ist, sich zu kümmern, ggf. das Ersparte in einem Fond anlegte, der Pleite ging, braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich betrogen fühlen und zu Mitteln greifen, die ihrem subjektiven Befinden nach die einzige Lösung darstellen. Denn zum Zeitpunkt der Spontanentscheidung war eh schon alles egal.

Wenn Amazon als Händlerportal seinen Händlern suggeriert, man würde sich um sie kümmern (gemeinsam sind wir stark) und dann bei erstbester Gelegenheit diesen Händler bei falschen Produkttexten alleine lässt, weil Amazon selber für den Text sorgte, dieser aber gegen Markenrechte verstößt und es dann zu einer kostenintensiven Abmahnung kommt mit der Amazon nichts zu tun haben will, dann wird auch hier über kurz oder lang es zu einem Amok kommen, der im schlimmsten Fall in einem Amoklauf mündet. Ist der Druck auf die Betroffenen erst einmal so hoch, dass diese keinen anderen Ausweg sehen, können Menschen involviert werden, die mit dem eigentlichen Problem, nichts zu tun haben. Die Anonymität und die Größenordnung von Firmenkonstrukten, wie auch in der Politik, machen es im Gegensatz zu früher fast unmöglich, diejenigen zu kontakten und mit diesen eine vernünftige Lösung zu finden, da sie nicht mehr greifbar sind. Ein Deutsche Bank Vorstand, ein Geschäftsführer bei Amazon, eine beauftragte Anwaltskanzlei, die anonym im Hintergrund die Kostenrechnung verschickt, sind die eigentlichen Verursacher, halten sich bei der realen Problemlösung aber geschickt im Hintergrund. Beispiel Finanzkrise, VW, Waffenexport usw. Die Verantwortlichen in den Chef- und Regierungsetagen sind die Grundsteinleger für die Ursachen. Auszubaden haben es dann die Angestellten, die vor Ort erreichbar sind.

Der Amokläufer von München am 22.7.2016 war gesundheitlich nicht stabil und sein Kauf der Waffe war geplant. Von der Planung bis zur Realisierung war aber scheinbar niemand da, der ihn vor sich selber und damit andere schützte. Das große Leid der Betroffenen ist also Zufall und sollte auf ein für ihn nicht lösbares Problem hinweisen. Der Spruch "Jeder kann es schaffen, nur nicht Alle" suggeriert ja, dass vermeintlich alles in Ordnung ist, obwohl rein gar nichts in Ordnung ist.

Im Falle eines Amok ist es deshalb oft ein Hilferuf, den niemand erkannte. Im Gegensatz dazu ist ein Anschlag eine bewusste Terrortat, die mit geistiger Übernachtung oder Verwirrung nichts gemein hat. Er ist immer geplant, zielgerichtet und nimmt das Töten von Unschuldigen in Kauf.

Wenn die Gesellschaft das Leben seiner Bürger so gestaltet, dass es keine Gründe für einen Attentäter gibt, wird es auch zu keinem Attentat kommen. Aus diesem Grund wird weltweit immer von den Mächtigen in einem Staat versucht, den römischen Spruch "Brot und Spiele" mit Leben zu erfüllen. Denn wer zu essen hat und Zeit für Freizeit übrig hat, wird, so glauben sie, wenig geneigt sein, das mit einem Anschlag zu ändern. Dass die Mächtigen aber von der Basis der Gesellschaft weit abgehoben sind und nicht mehr merken, was die Ursachen sind, macht Politik und Medien zu Mittätern. Denn sie suggerieren Sicherheit, obwohl es keine allumfassende Sicherheit gibt. Sie schüren Ressentiment, Rassismus und Ausgrenzung von einem Teil zum anderen Teil der Bevölkerung. Von einem Land zu einem anderen Land, Von einer Religion zu einer anderen Religion.

Als Antwort wird dann reflexartig nach noch mehr Einschränkungen gerufen, was eine vermeintliche Sicherheit anheben würde. Doch es wird nur der Großteil der Bevölkerung in seiner Freiheit beschnitten und diejenigen, die sich vermeintlich bereits in Unfreiheit befinden, bestätigt es nur darin, etwas tun zu müssen und ggf. ein Attentat zu verüben. Nach dem Motto "wir haben es lange probiert zu reden, aber es hört Keiner zu"

Der Diskurs in der Gesellschaft ist deshalb ohne permanente Vermengung von Amok und Attentat zu führen und an den Tatsachen und nicht an Spekulationen festzumachen. Es ist Aufgabe der Politik die Rahmenbedingungen für das Zusammenleben im Land wie auch über die eigenen Grenzen hinaus so zu setzen, dass niemand sich hintergangen und ausgegrenzt fühlt. Es ist zu hoffen, dass Politiker den Zusammenhang schneller kapieren, als bei der Flüchtlingsfrage. Diese hat Ursachen. Von Waffenlieferungen bis zu Ausbeutung der Ressourcen und damit einhergehend die Verarmung und die Förderung von Auswüchsen in einer Gesellschaft, deren Mitglieder eben nicht mehr nach X-Jahren es so hinnehmen, weil vermeintlich demokratische Gesellschaften es sich so wünschen.

Nicht alles ist in diesem Lande demokratisch, nicht jedes Gesetz ist gerecht, nicht jeder Wunsch ist erfüllbar. Aber es ist die Aufgabe, sich so weit zu bemühen und Missstände mit dem Erkennen sofort zu beheben, bevor der Wasserkessel überkocht. Eine zweite RAF und den IS will in diesem Land sicher niemand und gegen Irre ist, selbst bei größtem Einsatz und Voraussicht, nicht immer vorausschauend ein Kraut gewachsen. Wir werden damit leben müssen. Ob wir wollen oder nicht. Die Bemühung darf nicht aufhören, schon der Opfer und der betroffenen Familien zuliebe. Auf dass die Angst und der Hass nicht Oberwasser gewinnen.

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Gerd Bruckner

Chefredakteur

 

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